SPO Stellungnahme vom 3. November 2010

Tipp-(S)ex: Zensur an Oberwalliser Schulen

Seit Jahren wird an der Orientierungsschule im Oberwallis mit dem Lehrmittel „Schritte ins Leben" Lebenskunde unterrichtet. In einer neuen Fassung sind nun im Kapitel Sexualkunde einige Websiteadressen (z.B. über Aids, Verhütung, Abtreibung u.ä.) eingeflochten worden. Dieses Lehrmittel ist von einer Kommission aus Lehrkräften, Fachpersonen und Mitarbeitern des Erziehungsdepartements sorgfältig ausgewählt und für gut befinden worden.

Eine rechtskonservative Gruppe unter dem Namen IG Sorgfalt ist schon vor einem Jahr gegen dieses Lehrmittel Sturm gelaufen und hat im WB eine Kontroverse ausgelöst. Auf Druck dieser IG hat nun das Erziehungsdepartement von FDP-Staatsrat Roch ein Rundschreiben an alle Schuldirektionen der Orientierungsschulen gesandt mit der Aufforderung dafür zu sorgen, dass diese Internetadressen „mittels Tipex oder anderer solider Klebematerialien eliminiert werden."

Dies ist ein Skandal:

- weil sich der Staatsrat von einer rechtskonservativen Organisation unter Druck setzen lässt und nicht dagegen hält;

- weil der Staatsrat in seinem Erlass die Zensur eines Lehrmittels anordnet;

- weil der Staatsrat den Lehrpersonen den Schwarzen Peter zuschiebt und sie mit seinem Vorgehen der Lächerlichkeit preisgibt;

- weil hier ein Staatsrat und seine CVP-Chefbeamten eine völlig dilettantische und unprofessionelle Vorgehensweise an den Tag gelegt haben, andererseits von den Lehrpersonen professionelle Arbeit und Qualität in der täglichen Arbeit fordern.

Staatsrat Roch und seine Chefbeamten sollten eigentlich augenblicklich ihr Amt niederlegen oder sich zumindest bei den Lehrpersonen für ihren groben Lapsus entschuldigen. Das Lehrpersonal muss nun instruiert werden, genau diese Websites mit den Jugendlichen unter die Lupe zu nehmen. Damit die Sorgfalt im Umgang mit Informationen aus dem Internet gewahrt ist.

SP Oberwallis

25. Feb 2015