Es war im Februar letzten Jahres, als Frau Anni Lanz einen afghanischen Asylsuchenden vor einer Nacht bei minus 10 Grad Domodossola beim Bahnhof schützen wollte, und mit ihm in Gondo über die Grenze ging. Anni Lanz, die aus reinem Mitgefühl handelte, wurde für dieses Handeln vom Bezirksgericht Brig zu einer Busse von 800 Franken verurteilt. Weil sie gemäss Gesetz beim Versuch der illegalen Einreise in die Schweiz behilflich war. Das Walliser Kantonsgericht hat dieses Urteil nun bestätigt.

 Wie schon beim ersten Urteil schütteln nun auch über das aktuelle Urteil viele Menschen den Kopf. Der Fall zeigt: Das Ausländergesetz und dessen Anwendung führt zu unhaltbaren und unmenschlichen Resultaten. Wer einem Dritten das Leben rettet, wird in der Regel als Heldin oder Held gefeiert. Im vorliegenden Fall wird die aus humanitären Gründen handelnde Anni Lanz gestraft und als Kriminelle gebrandmarkt.

 Verschiedene Gesetzesbestimmungen in der Schweiz erlauben es dem Richter, auf das Aussprechen einer Strafe zu verzichten, selbst wenn rein formell eine Vorschrift verletzt wurde. Dies, wenn die Person selbstlos und aus achtenswerten Gründen gehandelt hat. Wir setzen alles daran, dass das Ausländergesetz im Bund um eine solche Bestimmung ergänzt wird. Wir sind skandalisiert, dass die humanitäre Schweiz eine Frau abstraft, die ein Menschenleben gerettet hat.

 

26. Aug 2019