Am 27. September stimmt das Schweizer Stimmvolk über die sogenannte „Änderung des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer“ ab, auch bekannt unter dem Namen „Erhöhung der Kinderabzüge“. Da diese Vorlage bis jetzt wenig diskutiert wurde, mag die eine oder der andere sich selbst informiert haben. Zum Teil auch im offiziellen Bundesbüchlein. Doch dabei ist Vorsicht geboten: an jenen Stellen, an welchen im Bundesbüchlein vom „Einkommen“ die Rede ist, handelt es sich um das „steuerbare Einkomme“. Die Gegner*innen der Vorlage gehen jedoch vom „Bruttoeinkommen“ aus. Dies wird im Bundesbüchlein nicht erwähnt, hat aber massgeblichen Einfluss auf die erwähnten Zahlen. Bei den meisten Einkommensklassen in der Schweiz liegt der Unterschied von steuerbarem und Bruttoeinkommen bei rund 60‘000 Fr. (!).

Im Bundesbüchlein ist nun die Rede von einer Familie mit zwei Kindern und einem  „Einkommen“ von 80‘000 Franken. Diese Familie würde laut diesen Berechnungen rund 257 Fr. sparen. Rechnet man nun den Unterschied von steuerbarem zu Bruttoeinkommen hinzu, so würde diese Familie ca. 130‘000-140‘000 Franken im Jahr verdienen (rund 11‘000 Fr. pro Monat). Des Weiteren zeigt die Tabelle auf Seite 51 im Bundesbüchlein auf, das eine Familie mit einem „Einkommen“ von 150‘000 Fr. bei maximalen Kinderdrittbetreuungskosten von 25‘000 Fr. nur noch 2224 statt 5560 Fr. (3336 Fr. weniger!) Steuern zahlen würde. In dieser Einkommensklasse (steuerbares Einkommen von 150‘000 Fr.) befinden wir uns bei einem Bruttoeinkommen von rund 210‘000 Fr. (!!!). Wer also bereits weniger als die Hälfte seines Bruttoeinkommens besteuern lassen muss, kann seine Abzüge mit der Annahme der Vorlage weiter erhöhen.

Nun wird noch viel klarer ersichtlich, was dem Schweizer Volk am 27. September als sogenannte „Familienpolitik“ untergejubelt wird: Reine Klientelpolitik der CVP, FDP und SVP, an welcher Durchschnittsverdienende (rund 82‘000 Fr. Bruttoeinkommen) überhaupt nichts haben. Wie wenn dies nicht schon genug Nachbeteiligung wäre, müssen die durch diese Vorlage entstehenden Steuerausfälle von 370 Millionen Fr. (!), ebenfalls vom Mittelstand via Streichung der Prämienverbilligung, Erhöhung der Kita-Tarife etc. bezahlt werden. 

Ein Nein zu dieser Vorlage ist ein Ja zu mittleren und tiefen Einkommen!

22. Sep 2020